"Im Bauch des Walfischs" oder "Tiefer als in die Hände Gottes, kann ich nicht fallen" - Eine Sammlung

 

„Im Bauch des Walfischs“ heißt dieser Container auf unserer Homepage, in den wir einander in den nächsten Tagen und Wochen kleine ermutigende Botschaften schreiben können.

Klar, der Wal war kein Fisch und Jona hat nicht wirklich drei Tage am Grund des Meeres im Bauch des Fisches gesessen.

Dennoch ist der „Bauch des Walfischs“ ein symbolträchtiger Ort. Birgt er doch Jona, einen von uns, dessen Lebensroutinen jäh unterbrochen, und der von einem Großen und Unbekannten verschlungen wurde. Dort, im Bauch des Fisches harrt er auf das, was noch kommen wird, ohne Gewissheit, ob dies unverhoffte Abenteuer ein gutes Ende für ihn nehmen wird.

An diesem Un-Ort kann Jona dennoch denken, klagen, hoffen, beten und sich erinnern. Seine Gedanken bilden in ihm Worte. Sie verleihen ihm Ausdruck und binden ihn wieder an, am tragenden Grund des Lebens. Er drückt sein Gefühltes aus im Gebet (Buch Jona Kap Kap.2) und er erfährt: „Tiefer als in die Hände Gottes, kann ich nicht fallen.“ (Jörg Zink)

Lasst uns also teilhaben an Euren Gedanken, Gefühlen, an gefundenen Zitaten und Geschichten, die Euch am Herzen liegen. 
Im Vertrauen darauf, dass die Erfahrung des Jona dort unten keine einmalige im „Damals und Dort“ war, sondern dass sie sich uns Menschen immer wieder auf's Neue zu schenken vermag. 

Ich lege mal als erstes eine Kleinigkeit in den Container hinein und freue mich auf Beiträge – diese bitte an unsere „Befüllstation“ bei Sigrun.Sellmeier@gmx.de senden.

Was kurz, persönlich und prägnant ist, wird gerne gelesen! Eine kleine Bitte noch: Empfehlt diese Rubrik auf unserer Homepage im Kreis unserer Kirchengemeinde und darüber hinaus weiter, wenn Ihr Freude daran habt.

                              Diakon Robert Stolz

Der Wiener Künstler Gustav Klimt erhielt einmal von der Baronin Sonja von Knips den Auftrag, ein Portrait von ihr zu erstellen…Äußerlich gesehen war sie keine Schönheit …. und (sie) litt unter Depressionen. Der Künstler malte nun ein Portrait von ihr. Es sah ihr allerdings überhaupt nicht ähnlich. Auf dem Bild sah man nämlich eine wunderschöne Frau…Die Baronin hängte sich das Porträt…trotzdem ins Wohnzimmer. Als ein paar Jahre später der Künstler die Baronin besuche wollte, erschrak er. Die Baronin... hatte sich …durch das Betrachten des Bildes immer mehr in diese schöne Frau verwandelt. Der Künstler malte einen Entwurf von ihr- und sie wurde diesem Entwurf immer ähnlicher. So hat auch Gott einen Entwurf von uns… und spricht: ich will mein Gesetz in ihr Herz geben. ..Er hängt ein Bild in unser Herz.

 Daniel Paulus

Sich entscheiden! 7 Wochen ohne Zaudern, Fastenkalender 2009, Edition Chrismon, 46. Tag


"Aus der Krise wächst auch Kraft.
Die Krise zerbricht die Masken nach außen,
aber auch die Absicherungstendenzen nach innen.
Auf diese Weise kommst du in Berührung
mit dem inneren Raum in dir,
in dem Gott in dir wohnt.
In diesem Raum sprudelt die Quelle des heiligen Geistes.
Die Krisen brechen den Zugang zu dieser Quelle auf,
aus der wir immer schöpfen können.
Diese Quelle ist unerschöpflich,
weil sie göttlich ist.
Aus ihr strömt dir die Kraft zu, die du brauchst,
um durch die vielen Tode deines Lebens 
zum wahren Leben zu finden."
Anselm Grün

Wer bin ich?
Groß? Klein? Winzig!
Und doch verbunden
mit dem Kosmos.
Gesehen von dir. Ganz ich.
Deine Größe steckt mich an 
und macht mich groß.
Reiner Knieling

Du sollst dich selbst unterbrechen
Zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein - und Freude,
dem Gruß des Engels zu lauschen:
Fürchte dich nicht!

Zwischen
Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
das alte Lied der Sehnsucht:
Maranata, komm, Gott, komm!

Zwischen
Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an den ersten Schöpfungsmorgen,
deinen und aller Anfang,
als die Sonne aufging - ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit, die niemandem gehört
außer dem Ewigen                                                  
Dorothe Sölle

Gebet für unsere Welt

Lieber Gott
Bitte
Hilf mir mein Herz zu öffnen
Hilf uns allen unsere Herzen zu öffnen
Schenke uns körperliche, psychische, geistige und spirituelle Freiheit
Schenke uns körperliche, psychische, geistige und spirituelle Gesundheit
Lass uns heil werden
Durchdringe uns mit deinem Geist
Durchflute uns mit deiner Liebe
Lass und trunken sein von deiner Liebe
Lass uns deine Liebe allezeit leben
Segne uns
Behüte uns
Schenke uns deinen Frieden
Danke dafür, dass dies geschieht Amen

(Irmgard Hahn)





Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr.
Sei nicht die Hauptperson. Such die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken, Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass Dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Augen, wink die andern ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jeden in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab' Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast und gönn dir die Sonne. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süss wird. Geh über die Dörfer. Ich folge dir nach.

Peter Handke: Geh über die Dörfer


 

Gottes Reisende
 
In gewissem Sinne sind wir immer Reisende,
und wir reisen,
als wüssten wir nicht,
wohin wir gehen.
 
In einem anderen Sinn sind wir schon angekommen.
 
Wir können uns Gott in diesem Leben nie ganz zu
eigen machen,
und deshalb reisen wir,
reisen in der Dunkelheit.
 
Doch durch die Gnade ist  bereits unser,
und darum sind wir in diesem Sinne schon
angekommen
und leben im Licht.
 
Doch ach!
Wie weit muss ich gehen,
um dich zu finden,
in dem ich längst angekommen bin!
 
Thomas Merton, (amerikanischer Trappistermönch) 

 


Post von Antonia

Mein Körper
 
Mein Körper rät mir:
Ruh dich aus!
Ich sage: Mach` ich,
altes Haus!
 
Denk` aber: Ach, der
sieht`s ja nicht!
Und schreibe heimlich
dies Gedicht.
 
Da sagt mein Körper:
Na, na, na!
was tun wir da?
 
Ach gar nichts! sag` ich
aufgeschreckt, 
und denk`; Wie hat er 
das entdeckt?
 
Die Frage scheint recht
schlicht zu sein, 
doch ihre Schlichtheit
ist nur Schein.
 
Sie läßt mir seither
keine Ruh:
Wie weiß mein Körper
was ich tu?
 
Robert Gernhardt
 
Die Rafaelkirche in voller Blüte!


Ich glaube, dass Gott

aus allem, auch aus dem 

Bösesten, Gutes entstehen

lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen,

die sich alle Dinge zum 

Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in

jeder Notlage so viel

Widerstandskraft geben will,

wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht

im Voraus, damit wir uns nicht

auf uns selbst, sondern allein

auf ihn verlassen.

In solchem Glauben

müsste alle Angst vor der

Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass Gott

auf aufrichtige Gebete

und verantwortliche Taten

wartet und antwortet.

                                                                                                                                                                                                                            Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945)

Und die Liebe bleibt...
Station 3 aus dem ökumenischen Jugendkreuzweg gesprochen von Anja Grothe,  Julius und Konstantin Scholler
Station 4 aus dem ökumenischen Jugendkreuzweg gesprochen von Anja Grothe, Julius und Konstantin Scholler


Ostern 2020

Liebe Gemeindeglieder, liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ganz herzlich möchte ich Sie zum Osterfest grüßen. Das ist allerdings in diesem Jahr etwas eigentümlich. Schon seit Tagen sind die Straßen unserer Orte ungewohnt leer. Die Linienbusse fahren fast ohne Fahrgäste. Immer mehr Menschen

tragen Gesichtsschutz. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich mit einer ganz anderen Art und Weise des Lernens vertraut machen. In den Geschäften, die noch offen haben, finden wir nun zunehmend Plexiglasscheiben zum Schutz für das Personal. Merkwürdig ist auch, dass es manche Menschen gibt, die unwahrscheinlich viel zu arbeiten haben, während anderen die Arbeit ausgegangen ist. Und somit werden für eine ganze Menge von uns die Fragen und Sorgen immer größer: Wie wird es weitergehen?

Für uns in der Kirche ist es ein irgendwie traurig, die besonders intensiven tage der Karwoche und des Osterfestes nicht in der Weise begehen zu können, wie es uns vertraut ist. Doch in jeder Krise liegt auch eine Chance. So wie der plötzliche Quasistillstand des öffentlichen Lebens uns dazu anregt, unser Leben ganz neu zu bedenken, vielleicht manche Akzente ganz neu zu setzen, so kann uns die Lage auch dabei helfen, die Ereignisse im kirchlichen Leben dieser Zeit aus ungewohnter Perspektive neu zu erschließen.

Angefangen bei dem Stichwort der Quarantäne werde ich in die Vorbereitung auf Ostern geführt. Dieses Wort meint 40 Tage. Und die Vorbereitungszeit auf Ostern, die Passions- und Fastenzeit dauert 40 Tage in Anlehnung auf die Versuchung Jesu in der Wüste, die ebenfalls 40 Tage umfasste. Die Wüste steht hier auch für ein Leben mit Entbehrungen, Versuchungen und Sorgen. Jesus bleibt standhaft im Hören auf das Wort der Schrift. Auch weiter auf dem Weg seiner Passion hält er fest an seinem Weg, für uns Menschen da zu sein. Es geht ihm nicht darum, egoistisch sein Leben aus der Schlinge zu ziehen, sondern sein Leben zu geben, damit wir leben können. Denn selbst der Tod soll und darf keine Macht mehr über uns und unser Leben haben. Jesus durchbricht die Macht des Todes.

Am Ostermorgen kommen die Frauen zum Grab Jesu und finden es leer. Den Frauen geht nicht sofort ein, was geschehen ist. Auch wir bleiben so oft den Bedingungen und Bindungen dieser Welt verhaftet, können uns nicht vorstellen, dass sich etwas grundlegend verändert. So ist Ostern für uns immer wieder neu ein Weg. So wie die Emmausjünger einen Weg zurücklegen mussten von Jerusalem nach Emmaus, von tiefer Trauer zu neuer Lebensfreude, so brauchen auch wir Zeit, um zu entdecken, dass hinter der Fassade allen Schreckens die Macht der Auferstehung, die Botschaft von Ostern uns zeigt, dass das Leben den Sieg behält.

Sorgen und Nöte quälen uns mitunter in dieser Zeit mit ihren Bedrohungen. Ostern lädt uns dazu ein, dass wir uns dem anschließen, der die Emmausjünger auf ihrem Weg begleitet hat, den sie zunächst nicht richtig wahrgenommen hatten, der aber immer mehr in ihr Leben tritt, um es zu verändern. Der Auferstandene ist mit uns: „Siehe ich bin bei Euch alle Tage.“ Bei ihm und mit ihm dürfen wir uns geborgen und getragen wissen. Gestärkt durch seine Liebe der Hingabe können und dürfen wir auch einander beistehen und ermutigen.

In unseren Kirchen stehen nun die neuen Osterkerzen. In der Osternacht werden wir, auch wenn nicht in gewohnter Weise Osternacht feiern können, die neuen Osterkerzen entzünden. Das Licht der Hoffnung, das Licht der Auferstehung, das Licht der Gegenwart des Auferstandenen möchte uns leuchten gerade in dieser Zeit, in der so vieles so dunkel für uns erscheint.

Zünden Sie sich doch auch eine Kerze als Osterkerze an. Lassen Sie die Botschaft dieser Tage ganz neu an sie heran und auf sich wirken. Auf unserer Homepage (www.ismaning-evagelisch.de bzw. www.unterfoehring-evangelisch.de) finden Sie ermutigende Worte, Predigten zu den verschiedenen liturgischen Stationen dieser bedeutenden Tage. Lassen Sie sich von den Fernseh- und Rundfunkgottesdiensten ermutigen und stärken. Stellen Sie mit uns, jeden Abend um 19 Uhr ein Licht der Hoffnung in das Fenster. Beten wir gemeinsam. Teilen Sie Ihre Sorgen und Nöte mit uns.

Bleiben wir verbunden als Gemeinde. Vielleicht lehrt uns gerade diese Zeit ganz neu zu beten. Die Verbundenheit im Gebet trägt mehr, als man im Trubel des Alltages manchmal denkt. Aber das Gebet schließt uns an an die Kraftquelle, an den Auferstandenen, der das Leben ist.

Ungewöhnliche Ostertage verbringen wir in diesem Jahr. Nutzen wir die Chance, Ostern ganz neu zu entdecken als Fest, das uns mit dem lebendigen Gott verbindet.

So grüße ich Sie ganz herzlich auch im Namen des gesamten Teams unserer evangelischen Kirchengemeinde. Bleiben Sie behütet! Und lassen Sie sich mitnehmen vom Osterruf der Christenheit, der auch in schweren Zeit gilt: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“

Ihr Pfarrer Carsten Klingenberg


Liebe Gemeinde,

vor einigen Tagen erreichte mich am Handy das Bild von zwei lachenden Kindern. Ein fünfjähriges Mädchen und ihr vor wenigen Wochen zur Welt gekommener Bruder.

Es sind Kinder einer Syrischen Flüchtlingsfamilie. Die beiden Eltern sind vor sieben Jahren durch die Hölle des Syrischen Krieges gegangen, flüchteten in die Türkei und wurden in Istanbul in der kleinen evangelischen Gemeinde aufgenommen. Dort wurden sie, wie sie sagten, endlich wieder als Menschen wahrgenommen. Man pflegte ihre Wunden, körperliche und seelische, und verhalf ihnen zur Weiterreise nach Deutschland. Hier bei uns fanden sie Zuflucht und Menschen die sie begleitetet haben und halfen, die ihnen zuhörten, und ihre Sorge um die zurückgebliebenen Eltern und Angehörigen teilten.

Eines von vielen tausend Flüchtlingsschicksalen.

Die Beiden Eltern haben schreckliche Zeiten erlebt und haben sich doch nie entmutigen lassen. Jetzt sind die entzückenden Kinder da und lächeln ins Leben. Der Vater hat eine gute Stellung in der er seine Fähigkeiten als Elektronik-Ingenieur einbringen kann, alles ist auf einem guten Weg.

Das Bild der Kinder am Display macht mir Mut.
Ja, es gibt Not und Verzweiflung in der Welt, aber immer wieder auch ermutigende Neuanfänge.
Ja, und es gibt sie, die Wende zum Guten!
Es gibt das Vertrauen und die Hoffnung, dass sich das Leben zum Guten wendet, das alles wieder gut sein wird, dass es gut weitergeht und nicht in der Sackgasse endet.
Es gibt sie, die Tugenden und Stärken, die auch wir in schweren Zeiten in uns suchen und pflegen können, aus denen wir verantwortlich leben und die wir mit unseren Mitmenschen teilen können.
Verbitterung, Steckenbleiben in Furcht, Resignation und Zynismus sind eben keine Lösungen!

Ich mache die Erfahrung, dass Menschen, die sich gerade in diesen Zeiten von einem guten Grund getragen wissen, und es schaffen, ihre inneren Quellen der Kraft und Zuversicht zu erschließen, sich selbst und Anderen eine große Hilfe sind.
Neben aller besonnenen Sorge um die äußeren Umstände gelingt es, geduldig nach innen zu schauen, die eigenen Ängste und Unsicherheiten in den Blick zu nehmen und diese mit den guten Erfahrungen von Vertrauen, Dankbarkeit und Güte ins Gespräch zu bringen und mit ihnen auszugleichen.

Es gibt sie, die Wende zum Guten! Maria aus Magdala, die erste Zeugin der Auferstehung Jesu, macht diese Erfahrung am Ostermorgen.
Sie erlebt: Selbst der Tod des geliebten Weggefährten, selbst sein Grab, ist keine im Dunkel  endende Sackgasse. Geduldig verharrt sie am leeren Grab, selbst dann, als Petrus und Johannes diesen Ort des Schreckens verlassen hatten. Dort war nichts mehr was für die Beiden irgendwie noch Sinn machte.
Maria aber wartet, sie harrt geduldig aus und sieht dann zwei Engel im Grab sitzen. Sieht einen Neuanfang, dort wo es nach vernünftigem Ermessen eigentlich aussichtslos geworden war, wo eigentlich nichts mehr zu finden und zu hoffen war.
Da wendet sie sich um und erblickt in das verwandelte Antlitz des Freundes der sie bei ihrem Namen anspricht und sie erkennt im Licht des Ostermorgens den verwandelten Christus.

Mit dieser Erfahrung Marias beginnt die Geschichte des Christentums. „Ich habe den Herrn gesehen und er hat mit mir gesprochen!“ (Johannesevangelium Kap.20 Vers 18.)

Die Erfahrung, dass auf den Karfreitag der Ostermorgen folgt, ist Kern unseres christlichen Glaubens. Auferstehung, und Neuwerden sind möglich, damals, aber auch heute  in unserem Leben!

Das Oster-Erleben wirkt weiter, es teilt sich mit, durch die Zeiten, bis heute zu uns.
Wir erinnern und erneuern es in jedem Frühjahr mit dem Aufwachen der Natur und in der Feier der Osternacht.
Auch wenn wir dies heuer nicht gemeinsam und als Gemeinde erleben können, schenkt sich Ostern, einem jeden von uns, auch wenn wir alleine sind oder im kleinen Kreis der Familie feiern.
Maria sagt uns: Bleib offen für das Geschenk des Lebens, vertraue, warte und wende deinen Blick ins Licht. Das Neue zeigt sich von selbst, du wirst es zu erkennen!

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„Was suchst du Maria?“

„Ja dich, wen sonst? Das Leben!“

(aus der Osternachtsliturgie von 2019)

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In diesem Sinne wünsche ich ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Diakon Robert Stolz

 

 

Ein Gedicht von Hermann Hesse, das von Abschieden und Neuanfängen handelt, gebe ich Ihnen noch mit auf den Weg, oder ich bringe es Ihnen in Erinnerung, je nachdem.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse


Sagt Jesus zu ihr, Maria!

Die wendet sich um und sagt zu ihm Rabbuni!“

(Johannesevangelium Kap.20)

 

Maria!

Rabbuni!

Treue Weggefährtin!

Auf dem Weg den du mir zeigtest!

Du bist geblieben

Bis jetzt

Hast dich nicht mit dem Tod abgefunden

Wie sollte ich? Du bist doch mein Leben!

Ich bin, und bleibe es

Du, mein Leben

Dein Leben und das Leben aller

Du bist den einsamsten Weg gegangen und bist hindurchgekommen.

Aus dem Tod ins Leben, denn Leben aus Gott währt ewig

Du lebendiger, du bist und bleibst mir nun für immer?

Ja Maria, doch halte mich nicht fest!

Wie sollte ich dich nicht festhalten? Dich, mein Leben!

Du bist doch gehalten Maria, von dort woher es mich hält.

Wir sind gehalten – von Ewigkeit.

Es reicht schon los zu lassen.

Er hält.

(Aus dem Osternachtsentwurf Diakon Robert Stolz - für die Rafaelkirche 2020)


Zu-Grunde gehen als Hoffnungskraft

 Unser gemeinsames Wohnen im Schöpfungshaus

ist zerbrechlich und frag-würdig geworden

wir sind auf uns selbst zurückgeworfen

schonungslos konfrontiert mit der Härte des Lebens

In der Achterbahn der Gefühle

wechseln sich Angst und Vertrauen ab

dunkle Gedanken wollen uns isolieren

in der Panik vor dem Zugrunde gehen

Der erfahrene Wegbegleiter aus Nazareth

bestärkt uns in seiner Trotzdem-Hoffnung

unserem Dasein endlich auf den Grund zu gehen

weil die Würde allen Lebens uns verbindet

Verletzlich und aufgehoben im goldenen Lebenskreis

buchstabieren wir das Leben neu

bleiben nicht fixiert auf unsere Einschränkungen

sondern ent-wickeln eine beherzte Solidarität

Grund-legend in unserem Zusammensein

ist eine neue Wirtschaftsordnung

die Menschen nicht in die Flucht treibt

die Ökologie und Ökonomie nicht mehr trennt

Äußerlich wird unser Zusammensein heruntergefahren

innerlich kann es durch unseren Bewusstseinswandel

eine längst not-wendende Lebensqualität fördern

in der Dankbarkeit und Mitgefühl wachsen können

Manchmal feiern wir ganz unerwartet

sogar mitten in der Krise ein Fest der Auferstehung

Ängste und Verlorenheit werden aufgeweicht

und ein Vertrauen in die Liebe ist da

© Pierre Stutz

 


 

Auf dem steigenden, sandigen, mühsamen Wege.

Auf der steigenden Straße.

Läßt sie sich ziehn und hängt am Arm ihrer zwei großen Schwestern.

(Glaube und Liebe*)

Die sie an der Hand halten.

Die kleine Hoffnung.

So geht sie voran.

Und inmitten ihrer zwei großen Schwestern sieht es so aus, als wenn sie sich ziehen ließe.

Wie ein Kind, das noch keine Kraft in den Beinen hat.

Das man wider Willen fortzieht auf dieser Straße.

Und in Wahrheit ist sie es, die die beiden anderen anspornt. Und sie mit fortzieht.

Und die alle Welt antreibt.

Und sie mit fortzieht.

Denn man müht sich stets nur für die Kinder.

Und die zwei Großen gehen nur für die Kleine.

Charles Péguy Das Mysterium der Hoffnung

 *geht aus dem Vorausgegangenen Text hervor

 


 ...doch können wir in uns die Stimme hören, die zu uns wie ein guter Freund weisend und lenkend redet; und indem wir die Angst besiegen, die uns an jeder Stelle den Lebensweg verstellt, werden wir bis an das Ziel. Bis hin zur Einsicht Gottes kommen.

Dann werden wir im Einklang mit uns selber sein, und unser eigenes Zuhause verwandelt sich in den Ort, da sich Gottes „Engel“, Gott als Heiland, in der Kraft des eigenen Wesens zu erkennen gibt. Eugen Drewermann Voller Erbarmen rettet er uns

 


 

Ein Gebet in der Coronakrise

Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. 

Bitte tröste die, die jetzt trauern.

Schenke den Forschern und Ärzten Weisheit und Energie. 

Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft und 

Widerstandsfähigkeit in dieser extremen Belastung. 

Den Politikern, Mitarbeiter der Gesundheitsämter und allen, 

die Verantwortung für andere tragen, Klugheit und Besonnenheit. 

Wir beten für alle, die in Panik sind. Alle, die von Angst überwältigt sind.

Um Frieden in mitten des Sturms, um klare Sicht. 

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten. 

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen,

sich einsam fühlen niemanden umarmen können.

Berühre Du ihre Herzen mit Deiner Sanftheit.

Und ja, wir beten, dass diese Pandemie abschwillt, 

dass die Zahlen zurückgehen, dass Normalität wieder einkehren kann. 

Mach uns dankbar für den Tag in Gesundheit. 

Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.

Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.

Dass Du allein ewig bist. 

Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt. 

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen. 

Wir vertrauen Dir. Danke. 

 

Amen

 


 

Ein Mensch, dessen Wesen und Tun von heiterer Liebe getragen wird, ist für andere Menschen ein Wunder.

Rudolf. Bultmann

 


 

Du kannst den Sturm nicht zur Ruhe bringen. 
Also höre auf es zu versuchen. 
Was du tun kannst ist selbst Ruhe zu finden. 
Der Sturm wird vorübergehen. 

Thich Nhat Hanh

 


 

Aus „Unser Leben hat Sinn“

 

Ist die Nacht auch noch so dunkel,

irgendwann wird´s wieder licht,

und kein Winter ist so eisig,

dass ihn nicht ein Frühling bricht.

 

Sieh beim Schatten stets die Sonne,

die gewiss dahinter steht.

Glaub ans Leben und vertraue,

dass es wieder aufwärts geht.

Helmut Zöpfl

  

Fürchte Dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen du gehörst mir!
Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht ersengt, keine Flamme wird dich verbrennen. Jesaja 43, 1-2
 

Schließlich ist, was vergangen ist vergangen, und die Zukunft steht erst vor der Tür. Alles, was der Mensch hat, ist die Gegenwart. Wenn es einem gelingt, den Tag, ja die Stunde mit Freude zu erfüllen, dann hat der Satan das Nachsehen.

Isaac B. Singer Die Gefilde des Himmels


Wenn jeder wartet, dass jemand anfängt, wird keiner anfangen!
weiße Rose
 

 

Täglich zu singen


Ich danke Gott, und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
Schön menschlich Antlitz! habe;

Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen;

Und dass mir denn zumute ist,
Als wenn wir Kinder kamen,
Und sahen, was der heil'ge Christ
Bescheret hatte, amen!
...
Gott gebe mir nur jeden Tag,
Soviel ich darf zum Leben.
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt er's mir nicht geben!
Matthias Claudius 1740-1815, aus Gedicht und Prosa  

 


                                                                                                                                                                                    von meinem Enkel Benjamin...


 

“...und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.”

Rainer Maria Rilke; Briefe an einen jungen Dichter
 

Dass ein Engel bei dir ist
 
Dass ein Engel bei dir ist, in deinen Dunkelheiten,
dass ein Engel bei dir ist, um dich zu begleiten. Das wünsche ich dir.
Dass ein Engel bei dir ist in deinen Fragezeiten,
dass ein Engel bei dir ist, um dich zu geleiten. Das wünsche ich dir.
Engel kommen leise, auf himmlische Weise beflügeln sie dich,
behüten sie dich, bestärken sie dich! Das wünsche ich dir.
Claudia Höly in (un)sterblich. Verabredung mit dem Leben

 

Mich dem Leben stellen

Mir

meinem Leben

Gott

vertrauen

 

mich meinen

Voraussetzungen

Ansprachen des Lebens

Verletzungen

Freude
Liebe

stellen

 

tragen - ertragen

leben - erleben

mich reifen lassen - Individuation

Mich meinem Leben stellen

(Irmgard Hahn)

 


 

Gebet

Möge die göttliche heilende Kraft durch uns fließen,

uns reinigen, stärken und heilen,
uns erfüllen mit Liebe, heilende Wärme und Licht,

uns schützen und führen auf unserem Weg.

Wir danken Gott dafür dass das geschieht.

(Anne Höfler)

 


 

Heilung für unseren Geist

Heilung für unsere Gedanken

Heilung für unsere Emotionen

Heilung für unseren Körper

Danke dafür, dass dies geschieht.

(Irmgard Hahn)

  

Die Sorgenschachtel
Der Automobil-Pionier Walter Chrysler (1875-1940) soll seine täglichen Sorgen aufgeschrieben und in einer kleinen Schachtel auf seinem Schreibrtisch abgelegt haben. Wenn er diese Sorgenschachtel nach einigen Wochen wieder öffnete, konnte er die meisten seiner Befürchtungen in den Papiekorb werfen: Sie hatten sich von selbst erledigt oder waren längtst vergessen. Diese handfeste Entsorgung kann natürlich nicht bei allen Problemen klappen, aber die Halbwertzeit der meisten Sorgen ist doch erfreulich gering. Das wusste offenbar auch Jesus: "MACHT EUCH KEINE SORGEN UM DEN MORGIGEN TAG, ER WIRD SCHON FÜR SICH SELBER SORGEN. Es ist genug, wenn jeder Tag seine eigene Last hat"
  

Wenn du meinst, es ist 
aussichtslos: Steh auf!
Wenn du meinst, es gibt keine Hoffnung mehr: Steh auf!
Wenn man dir sagt, so ist eben das Leben: Steh auf!
Wenn man dir sagt, das sind eben die Sachzwänge: Steh auf!
Wenn du nur noch funktionierst: Steh auf!
Wenn du nur noch denkst, was alle denken: Steh auf!
Wenn du nur noch tust, was alle tun: Steh auf!
Wenn du gezwungen wirst, gegen dein Gewissen zu handeln: Steh auf!
Steh auf, weil es eine Aussicht gibt.
Steh auf, weil Gott die Zwänge durchbrochen hat.
 

 
Ein Gefühl ist wie ein Kind,
das in uns lebt 
und weint und lacht, 
Hunger hat und bemerkt sein will. 
Wer zu seinem Gefühl zu oft sagt: 
„Sei still, ich habe jetzt keine Zeit für Dich“, 
dessen inneres Kind sitzt eines Tages 
in einer vergessenen Ecke und trauert, 
wird krank und verkümmert. 
Mit Gefühlen soll man umgehen, 
wie man mit einem Kind umgeht: 
Man sieht ihm freundlich und aufmerksam zu, 
man hört, was es klagt, 
man leidet mit ihm, wenn es leidet. 
Denn Gefühle sind die lebendigsten Kräfte in uns, 
und keine andere Kraft in uns 
bringt so viel Lebendiges hervor. 
Ein Kind hat auch Wünsche, 
die nicht immer zu erfüllen sind: 
berechtigte, gut und schöne. 
Dann nehmen wir es in den Arm 
und sind mit ihm traurig. 
Aber wir schicken es nicht weg. 
Ein Kind kann verstehen, 
dass es nicht alles haben kann. 
Aber lieben muss man es, 
ihm Mut geben und Fröhlichkeit und Raum,
seine Kräfte zu regen.  

Jörg Zink

 


 

Zitat:

...natürlich habe ich mit der Erschöpfung Bekanntschaft geschlossen, doch stärker war ein unglaublich leichtsinniges Vertrauen auf regenerative Kräfte.

Peter Sloterdijk Ausgewählte Übertreibungen S.10 


Resilienz - Vermögen einer Person oder Familie, sich trotz schwieriger Lebensbedingungen auf sozial akzeptablem Wege gut zu entwickeln.

Widerstand zu entwickeln, gegen die Zerstörung der eigenen Integrität und Aufbau eines Positiven Lebens.

 Lernfelder der Resilienz:

- Akzeptanz der Wirklichkeit und der eigenen Gefühle

- Selbstverantwortung für das eigene Leben und Handeln - nicht Opfer der Umstände sein.

- Lösungsorientierung: offen sein für die Zukunft, anpassungsbereit an veränderte Bedingungen, richtige Schlüsse ziehen, daraus lernen, neue Optionen finden.

- Netzwerkorientierung: Hilfe annehmen, Freundschaften aufbauen, Unterstützung bieten.

- Selbstwertgefühl: An die eigene Kompetenz glauben

- Langzeitperspektive einnehmen: So schwierig wie jetzt, bleibt es nicht immer, es kommen wieder andere Zeiten.

Resilienz ist ein Lernprozess der Risiken und Stress nicht eliminiert, sondern es Menschen ermöglicht, damit angemessen umzugehen.

Basis dazu:

- Austausch mit der Umwelt

- Austausch mit der eigenen Intuition, Gedanken Gefühlen und  den eigenen Erfahrungen, 

- Austausch mit den Mitmenschen.

 


Fußspuren im Sand

Ein Mensch hatte nachts einen Traum. Er träumte, dass er mit Gott am Strand spazieren ginge. Am Himmel zogen Szenen aus seinem Leben vorbei. Und für jede Szene aus seinem Leben ware Spuren im Sand zu sehen. Als er auf die Fußspuren im Sand zurück blickte, sah er, dass manchmal zwei Spuren und manchmal nur eine Spur da waren. Er bremerkte weiter, dass sich zu Zeiten größerer Not und Trauer nur eine Spur zeigte. Dshalb fragte er den Herrn: "Herr, ich habe bemerkt, dass zu den traurigen und schwierigen Zeiten meines Lebens nur eine Spur zu sehen ist. Du hast aber versprochen, stets bei mir zu seinl. Ich versteh nicht, warum du mich da, wo ich dich am nötigsten brauchte, allein gelassen hast." Da antwortete der Herr: "Mein lieber Freund, ich liebe dich und würde dich niemals verlassen. In den Tagen, wo du nur ein Paar Fußspuren gesehen hast, da habe ich dich getragen."

(aus dem Amerikanischen)


 Jetzt

ICH BIN IN GEDANKEN SCHON DORT WO ICH

MORGEN ERST SEIN WERDE

MIT MEINEN GEDANKEN RENNE ICH MIR DAVON

ICH BLEIBE STEHEN

SPRÜRE MEINEN KURZEN ATEM

ICH WILL ZU MIR KOMMEN 

DAHIN WO MEINE FÜSSE SIND

(Anne Steinwart)


Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaleko (aus: Die paar leuchtenden Jahre)


Ein Segen

Es wachse in dir der Mut,

dich einzulassen

auf dieses Leben

mit all seinen Widersprüchen,

mit all seiner Unvollkommenheit,

dass du beides schaffst:

kämpfen und geschehen lassen,

ausharren und aufbrechen,

nehmen und verzichten.

Es wachse in dir der Mut,

dich selbst liebevoll wahrzunehmen,

damit du dich einlassen kannst

auf andere Menschen

und ihnen geben kannst

von dem, was du bist und was du hast.

Sei gesegnet

und mit dir die Menschen,

die zu dir gehören. 

Dazu segne dich heute

Gott der Vater, 

der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.


"Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten"

Hilde Domin


DU BRAUCHST NICHT IMMER EINEN PLAN

MANCHMAL REICHT ES ZU ATMEN, ZU VERTRAUEN,

DEN DINGEN IHREN LAUF ZU LASSEN UND

ZU SEHEN WAS PASSIERT. 

Autor unbekannt


Vergessen wir nicht, nicht alles ist abgesagt:

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt
Liebe ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Musik ist nicht abgesagt 
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt.
Das alles und noch vieles mehr ist jetzt mehr denn je …
angesagt!"

Bleiben Sie gesund und behütet!


Morgengebet:

Die Nacht ist um, der Tag erwacht.
Ich sehe die Sonne die am Himmel lacht.
Ich spüre die Erde die meine Füße berührt,
und höre die Stimme, die im Herzen mich führt.
Hab Dank für das Leben, das du heute
mir schenkst,
du der du mich beim Namen nennst.
Einen Korb voll Freude will ich verschenken,
und an alle Menschen mit Liebe denken.
Amen

(Anonym, zitiert von Waldemar Pisarski)