Predigt zum Nachlesen

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An der Orgel Carolin Tost spielt:
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) Sonate Nr. IV Op. 65


31.05.2020 Pfingsten

 Apostelgeschichte 2:1-21

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

 

Liebe Freunde an Pfingsten!

Heute feiern wir ein großes Fest. Pfingsten gehört zu den Hauptfesten der Christenheit. Und doch ist es eines der Feste, mit dem die wenigsten Menschen etwas anfangen können. Normalerweise beginnt mit den Pfingsttagen die Reisesaison. Viele Menschen machen sich auf den Weg, um in den Urlaub zu fahren und sich zu erholen. Doch in diesem Jahr will das nicht so recht gelingen. Vielleicht ist es eine Chance, sich ganz neu auf das Fest einzulassen, die Botschaft von Pfingsten zu entdecken und zu spüren, dass dieses Fest ganz konkret etwas mit meinem Leben zu tun hat.

Auch damals hatten sich Menschen auf den Weg gemacht und waren aufgebrochen. Sie wollten eine beeindruckende Stadt besuchen, Jerusalem. Und diese Menschen brachten mit sich ein tiefes inneres Verlangen, eine Sehnsucht nach besonderen Erfahrungen, eine Sehnsucht nach mehr, nach etwas, was das normale, alltägliche Leben nicht geben kann. Und so waren viele Menschen in jenen Tagen, fünfzig Tage nach Ostern – Pfingsten – in der Stadt. Sie waren auf Wallfahrt.

Da fiel zunächst ein Geschehen gar nicht auf. Die Ereignisse von Karfreitag waren fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Der Wanderprediger, der den Oberen auf den Geist gegangen war, der war ja mittlerweile tot. Gekreuzigt hatten sie ihn. Und so langsam schien Gras über der Sache gewachsen zu sein. Vereinzelt sollte es noch ein paar Anhänger dieses Jesus geben. Und diese behaupten, er sei nicht tot, sondern am Leben, auferstanden. Aber wo sieht man etwas davon? Wo spielt das alles noch eine Rolle?

Und in der Tat, in einem Haus in Jerusalem war es eigentümlich still. Und dennoch waren dort Menschen versammelt, die Anhänger des Auferstandenen. Aber ihn sahen sie nicht mehr. Allein gelassen mit ihrem Glauben, waren sie versammelt. Doch was bedeutet ihnen ihr Glaube noch? Angst hatten sie. Wenn sie jemand entdecken würde, könnte sie das gleiche Schicksal wie Jesus ereilen. So hielten sie still in ihren Mauern, eingeschlossen, um unbemerkt zu bleiben.

Was wäre aus dem Glauben geworden, wenn das so geblieben wäre? Vermutlich hätten sich diese Freunde Jesu noch einige Zeit über die Erlebnisse mit Jesus unterhalten, sie wären in ihren Erinnerungen verhaftet geblieben, aber sie hätten keine Perspektive für die Zukunft, für ihr Leben gewonnen. Somit wäre dieser Glaube recht bald ausgestorben.

Doch an jenem Pfingsttag wurde das Leben der Freunde Jesu auf den Kopf gestellt. Mit sehr bildhafter Sprache beschreibt uns der Bericht über die Ereignisse das Geschehen. Von Brausen hören wir. Von Feuerzungen ist die Rede. Und die so stillen Leute im Haus werden richtig lebendig. Die Mauern des Haues werden durchlässig. Die Menschen draußen auf der Straße, die Reisenden von überallher merken: Hier geschieht etwas Außergewöhnliches. Hier ereignet sich etwas Umwerfendes. Die eben noch so ängstlichen und furchtsamen Freunde Jesu werden begeistert, sie brennen vor Begeisterung und sie können diese Begeisterung nicht mehr bei sich behalten. Ihr eben noch so zurückhaltender Glaube wird sprachfähig. Die Menschen auf der Straße fühlen sich angesprochen. Und sie verstehen. Denn die Freunde Jesu sprechen die eine Sprache Gottes, die Sprache, die jeder auf der Welt versteht, die Sprache der Liebe.

Und trotzdem ist es damals wie heute so: Nicht alle sind verständig. Für manch einen bleibt Pfingsten ein Buch mit sieben Siegeln. Manche verstehen einfach nicht, worum es geht. Und immer wieder kommt es zu Ablehnung und Anfeindung. Das war damals so, beim ersten Pfingsten. Und das ist heute so, nicht nur zu Pfingsten.

Da treiben Leute ihren Spott. Die sind doch alle nur besoffen. Die sind nicht bei Sinnen. Das sind Verrückte. Ja, Christinnen und Christen werden immer wieder auch belächelt. Manch einer tritt uns auch aggressiv entgegen. Glaube scheint nicht in ihr Weltbild zu passen. Und deshalb muss alles, was sich damit verbindet, radikal abgelehnt und schlecht geredet werden. Pfingsten ist eben nicht für alle einsichtig und nachvollziehbar. Gerade auch heute.

Wir hören: Petrus tritt den Kritikern entgegen. Er stellt sich ihnen. Er stellt sich vor sie und hält ihnen eine Predigt. Und Petrus macht es geradezu klassisch, so wie wir es aus unseren Gottesdiensten auch kennen. Petrus verliest einen Predigttext, oder sagen wir besser: Er kann ihn wohl auswendig. Wir hören nichts von einer Schriftrolle, die er halten würde und aus der er lesen würde. Sein Predigttext ist ein bemerkenswerter Abschnitt aus dem Propheten Joel. Und Petrus sagt nun in seiner Predigt: Diese Prophezeiung des Propheten ist hiermit erfüllt. Das, was der Prophet vor längerer Zeit beschrieben und angekündigt hat, das ist heute vor Euren Augen und Ohren in Erfüllung gegangen. Aber worum geht es da? Es geht in der Tat um Pfingsten, um die Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Prophet Joel hatte beschrieben, wie die Menschen zum Zion nach Jerusalem kommen, wie sie den Heiligen Geist empfangen, dabei beeindruckende Erfahrungen machen und anbeten. Und mit der Anbetung verbindet sich die Rettung für ihr Leben.

Das klingt in unseren Ohren wie die Sprache Kanaans. Eben noch hatten wir vernommen, dass die Freunde Jesu durch den Heiligen Geist sprachfähig werden, dass die Menschen die Botschaft verstanden. Nun aber klingt alles etwas fern von unserer Realität, von unserem Leben, ungewöhnliche Ereignisse, bewegende Erfahrungen, aber nichts aus dem Alltag. Und doch steckt in diesen Worten ganz viel von unserem Leben. Mit der Wallfahrt nach Jerusalem bei Joel wie auch am ersten Pfingsten verbindet sich die Sehnsucht nach Leben, nach Veränderung, nach Begeisterung, nach einem Leben, das aus den Belanglosigkeiten und aus der Langeweile herausgerissen wird. Und da finden wir uns alle wieder. Denn wir alle kennen die Situationen, in denen wir uns nach Veränderung sehnen, nach Befreiung von den bedrückenden Dingen des Lebens. Und gerade auch in unseren Zeiten, die so sehr von der Pandemie bestimmt sind, wünschen wir uns wieder ein Leben, das in „normalen“ Bahnen verlaufen kann. Aber wollen wir wirklich nur ein geruhsames Mittelmaß? Steckt nicht auch tief in uns das Verlangen nach mehr?

Was bedeutet Pfingsten für uns hier und heute, im Jahr 2020? Verweilen wir ähnlich wie die Freunde Jesu zunächst zurückgezogen und ohne großen Elan? Erwarten wir etwas für unser Leben? Wie ist das mit dem Brausen des Heiligen Geistes? Lassen wir uns ganz neu begeistern?

Pfingsten bedeutet: Der lebendige Gott ist mitten unter uns. Er möchte uns beleben und begeistern. Er möchte unser Leben verändern. Und wenn wir heute mit mancherlei Sorgen und Ängsten gekommen sind, und wenn wir heute unsere Fragen haben, wie es mit unserem Leben weitergehen soll, wie wir einen lebendige, neue Perspektive für unser Leben empfangen können, dann ist Pfingsten die große Chance für uns und unser Leben, dass wir uns verändern lassen. Öffnen wir uns für den Geist Gottes, für den Heiligen Geist, lassen ihn an uns wirken. Und das bedeutet: Wir dürfen zu Gott kommen und ihn anbeten, unser Herz und Inneres für ihn öffnen, all das, was uns lähmen und herunterziehen möchte, abgeben und ganz neu entfachen lassen für seine Liebe für seine Gegenwart. So können wir brennen für die Perspektive, die der Auferstandene uns zeigt. So können wir diese Welt mit anderen Augen sehen. Mag so vieles uns ängstigen und schrecken, uns die Luft zum Atmen nehmen, beim lebendigen Gott können wir neue Lebensfreude finden. Hören wir mit Begeisterung auf die Botschaft, beten wir mit Freude und lassen die Gebete auch unsere ganzpersönlichen Anliegen werden, singen wir unserem Gott nicht nur, weil man das eben so im Gottesdienst tut, sondern lassen wir das neue Lied unseres Lebens in uns lebendig werden. Begegnen wir einander mit der Sprache Gottes, der zuvorkommenden Liebe. Wer zu Gott kommt, der wird Rettung erfahren, der wird neue Lebensfreude gewinnen, für den ist Pfingsten der Anfang einer neuen Gemeinschaft mit Zukunft, Hoffnung, Begeisterung und Trost. Wenn wir begeistert sind, dann strahlt diese Begeisterung auch aus. Wenn wir uns begeistern lassen, dann sind wir auch offen für das Wirken Gottes an uns. So kann Veränderung geschehen, ganz konkret an uns und dann auch in unserem Umfeld.

Ein frohes, freudiges und begeisterndes Pfingstfest wünsche ich allen.

Ihr Pfarrer Carsten Klingenberg


01.06.2020 Pfingstmontag

Johannes 20:19-23

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

 

Liebe Freunde,

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Heute hat die Kirche Geburtstag. Ja, heute hat unsere Gabrielkirche Geburtstag. Elf Jahre wird sie heute. Das ist noch keine lange Zeit. Und doch verbinden wir schon so viel mit ihr. So viele Gottesdienste haben wir hier schon gefeiert. An manchen Tagen ist die Kirche richtig voll. Und wir haben den Eindruck, dass sie noch größer hätte gebaut werden können. Und an anderen Tagen ist es eher die kleine Gemeinde, die sich versammelt. Ganz persönliche Geschichten verbinden sich mit unserer Kirche. Konfirmandinnen und Konfirmanden erleben die Kirche als besonderen Ort in ihrem Leben ebenso wie ein Hochzeitspaar, das den Segen Gottes für den gemeinsamen Weg erbittet. Für mittlerweile eine große Zahl vor allem junger Menschen ist die Kirche der Ort der Taufe. Wir haben eine Geschichte mit unserer Gabrielkirche und sie hat eine Geschichte mit uns. Und der Geburtstag unserer Kirche wäre eigentlich ein willkommener Anlass dafür, dass wir auch noch nach dem Gottesdienst miteinander feiern. Doch in diesem Jahr sieht alles ganz anders aus, als wir es uns erwarten würden. Wir müssen den Geburtstag unserer Kirche auf andere Weise begehen.

Aber da ist ein Gottesdienst doch auch eine schöne Art und Weise des Feierns. Und die Botschaft des Evangeliums möchte uns hineinnehmen in die Festfreude. Denn dieses Evangelium hat es in sich. In wenigen Versen finden wir drei Feste zu einem Ereignis komprimiert. Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten fallen bei Johannes zusammen. Und so ist es für uns ein spannender und bewegender Weg diese Strecke der österlichen Freudenzeit noch einmal nachzugehen.

Zunächst werden wir hineingenommen in das Haus der versammelten Freunde Jesu am Ostermorgen. Noch herrscht ein Stück weit Angst angesichts der Ereignisse von Karfreitag. Mittlerweile war den meisten von ihnen der Auferstandene bereits begegnet. Freude hatte sich ausgebreitet, wenn auch nicht immer sogleich. Doch kaum war der Auferstandene wieder vor ihren Augen entschwunden, machte sich Sorge breit. Verschlossen waren die Türen. Eingeschlossen hatte man sich. Es könnte ja jemand ihnen nach dem Leben trachten. Doch die verschlossenen Türen stehen auch für uns, die wir in unserer Kirche immer wieder zusammenfinden. Im Gottesdienst sind wir ein Kreis von Menschen, die sich innerhalb der Mauern versammeln. Es tut gut, einen Raum zu haben, einen Raum, in dem wir uns geborgen und unter uns wissen und fühlen können. Und das ist auch gut so. Es braucht Rückzugsorte im Leben. Und gerade in turbulenten Zeiten haben wir diese Orte der Geborgenheit ganz dringend nötig. Es sind Orte der Ermutigung, des inneren Auftankens, Orte, an denen wir eine Botschaft vernehmen, die uns aufbaut und aufrichtet.

Am Abend des Ostertages – so hören wir heute – trat der Auferstandene in die Mitte der versammelten Freunde. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. So hatte es Jesus einst gesagt. Und nun erleben und erfahren sie seine Gegenwart. Er ist da. Er ist mitten unter ihnen. Er ist dort, wo sie sich zurückziehen, wo sie neue Stärkung benötigen. Er ist dort, wo sie mit ihren Ängsten, Sorgen und Nöten stehen. Er lässt sie nicht allein, auch wenn sie das hin und wieder vergessen.

Und das gilt auch für uns. In unseren Zeiten mit all den weltweiten Problemen und Nöten wie auch mit unseren ganz persönlichen Aspekten, die uns beunruhigen und umtreiben, möchte er, der Auferstandene, der lebendige Gott gegenwärtig sein. Er möchte da sein, für uns, die wir Zuwendung benötigen, die wir uns nach Veränderung sehnen, die wir neue Lebendigkeit erhoffen. Und er möchte uns ansprechen.

Gleich zweimal spricht der Auferstandene seinen Freunden zu: „Friede sei mit Euch!“ Das ist ein Zuspruch, der zur Ruhe bringen will, der Vertrauen schaffen möchte, der zum Ausdruck bringt, dass der Auferstandene weiß, was wir brauchen. Friede, das ist nicht nur der äußere Friede, dass es keine Kriege in dieser Welt geben möge, dass nicht Menschen aneinander geraten mögen. Friede, das ist eben auch der innere Friede, der auch dann noch Bestand hat, wenn es um uns gewaltig hergeht. Die Botschaft des Auferstandene vermittelt Geborgenheit, Heimat, Kraft und Halt.

Aber das zweite ist auch wichtig: Es kann nicht dabei bleiben, dass wir uns zurückziehen hinter unsere eigenen Wände, dass wir für uns bleiben und uns zurückziehen. So wichtig es ist, einen Ort des Auftankens, des Feierns und der Gemeinschaft zu haben, die Botschaft von Himmelfahrt gehört dazu. Der Auferstandene gibt uns sein Vermächtnis mit auf den Weg und er sendet uns nach draußen. Das, was wir in unserer Gemeinschaft leben und erleben, das will auch nach draußen. Die Botschaft von Pfingsten ist ja gerade, dass sich die Türen öffnen und Menschen aus aller Welt die Sprache Gottes verstehen, die Sprache der Liebe. Christsein ist kein Exklusivclub. So wichtig es ist, in der Gemeinschaft des Gottesdienstes immer wieder neu gestärkt und ermutigt zu werden, so wichtig ist es auch, die Sendung durch den Auferstandenen ernst- und anzunehmen. So wie Jesus einst durch die Lande gezogen ist, auf die Menschen zugegangen ist, ihre Sorgen und Nöte gesehen hat, sie angenommen und wieder in eine neue Gemeinschaft geholt hat, so sind auch wir beauftragt, hinauszugehen in den Alltag, den Menschen mitten im Leben zu begegnen und das Evangelium zu leben. Diese Welt, in der wir stehen, braucht eine Botschaft der Ermutigung, der Befreiung, des Lebens. Und dazu sind wir gesandt. Dazu sind wir Boten des Auferstandenen.

Und dann sehen wir auch noch Pfingsten in diesem Evangelium. Der Auferstandene blies seine Freunde an. Nehmt hin den Heiligen Geist. Es ist eine ganz kreative Situation. Sie erinnert an die Erschaffung des Menschen. Gott blies seinen Odem, seinen Atem in den Menschen, und er wurde lebendig. Aus der Starre unserer Sorgen und Nöte werden wir auch heute vom Atem des Auferstandenen angeblasen. Er schenkt uns seinen Heiligen Geist. Und das ist nicht irgendetwas Mysteriöses, irgendetwas Unzugängliches. Vielmehr bevollmächtigt der Auferstandene, seine Freunde zu sein. Wir haben die Vollmacht, in seinem Namen zu handeln. Ganz konkret wird das in der Vergebung.

Menschen leiden überall unter den Erfahrungen und Ereignissen ihres Lebens, die misslungen sind. Worte und Taten können belasten. Dort, wo Menschen aneinander geraten sind, dort, wo Beziehungen zerbrochen sind, dort, wo irgendetwas zu Bruch gegangen ist oder wo Träume und Sehnsüchte zerplatzt sind, dort ist ein großer Durst nach einem anderen Leben, nach Wiedergutmachung, nach Wiederherstellung, nach einem Neuanfang. Es gehört zu dem befreienden und belebenden Wirken des Heiligen Geistes, dass er uns die Möglichkeit eröffnet die Belastungen des Lebens abgeben zu können.

Und somit ist Pfingsten ein Fest der Freude, ein Fest des Lebens. Der Heilige Geist möchte uns in einen neuen Lebensstil führen und leiten, einen Lebensstil, der nicht um die eigenen Interessen kreist. Es geht um den Lebensstil, der geprägt ist, von der göttlichen Sprache der Liebe.

Wir feiern Geburtstag. Wir feiern Geburtstag der Kirche und Geburtstag unserer Gabrielkirche. Von Anfang der Christenheit an wurde deutlich, wie dringend nötig wir immer das Wirken des Heiligen Geistes haben, der frei macht von dem, was die Gemeinschaft zerstören möchte. Und es gehört zu den weniger schönen Phänomenen, dass auch innerhalb einer Kirche nicht immer ungetrübte Stimmung herrscht. Der Heilige Geist aber möchte uns den neuen Lebensstil führen und leiten. Deshalb ist es gut, wenn wir uns immer wieder neu auf das Wirken des Geistes einlassen, aus der Vergebung leben und uns freuen an allen, mit denen wir in und außerhalb unserer Kirche Gemeinschaft haben dürfen, selbst wenn wir es mit dem einen oder anderen nicht leicht haben. Aber nur so können wir ungetrübt Geburtstag feiern.

Ihr Pfarrer Carsten Klingenberg